Buchrezension: Eis mit Stil – Only Vegan (Sonja Dänzer, Umschau Verlag)

 

Auch wenn gerade noch Winter herrscht, richtig gute Eiscreme ist eigentlich nie verkehrt. Und der Sommer kommt eh schneller als man denkt. Leider sind die meisten veganen Eissorten, die man so im Supermarkt kaufen kann, ziemlich teuer und geschmacklich eher so na ja – wenn man das Glück hat, überhaupt etwas anderes als Sorbet und Wassereis zu finden. Die Alternative? Sich für um die 20 Euro eine Eismaschine besorgen (oder wenn ihr richtig fancy und reich seid, dann auch eine hochwertigere) und das Eis selbst herstellen. Inzwischen gibt es einige Kochbücher mit veganen Rezepten. Ich stelle heute eins davon vor: “Eis mit Stil” von Sonja Dänzer.

Was bei „Eis mit Stil“ sofort auffällt, ist die wunderschöne Buchgestaltung. Als ich es in die Hände bekommen habe, habe ich es direkt fünf mal von Vorne bis Hinten durchgeblättert. Für fast jedes Rezept gibt es ein ganzseitiges Foto und fast alle Bilder sind ansprechend und machen Appetit.
Das Buch beginnt mit einer Einführung in die Kunst des veganen Eismachens. Da Sonja Dänzer, die Autorin selbst professionell veganes Eis herstellt und verkauft, geht diese Information in die Tiefe und man hat wirklich das Gefühl Expertenwissen weitergegeben zu bekommen. Es wird empfohlen, sich eine Eismaschine zu kaufen, denn nur so wird eine richtig gute Eistextur garantiert. Am Besten sei eine Eismaschine mit integriertem Kühler, die allerdings erst ab 200 Euro erhältlich sind. Fürs Erste genüge auch eine Eismaschine ohne Kühlgerät, bei dem man die Schüssel vorher 24 Stunden ins Gefrierfach packt. Eine dieser günstigeren Eismaschinen habe ich mit fürs Ausprobieren der Rezepte von meiner Mutter geliehen. In der Zukunft hoffe ich mir eine der besseren Eismaschinen zu kaufen.

Danach werden die ungewöhnlichen Zutaten vorgestellt und es wird erklärt was genau sie im Eis machen. Das ist wohl für viele der größte Negativpunkt dieses Buches: Zu Beginn müssen viele neue Zutaten gekauft werden, und manche davon sind nicht leicht erhältlich. „Maranta-Tapioka-Stärke“ habe ich nirgendwo gefunden, deswegen habe ich reine Pfeilwurzelstärke/Tapiokastärke aus dem Bioladen verwendet. Johannisbrotkernmehl, Seidentofu, Sojasahne und Co habe ich dort auch gefunden. Sojalecithin fand ich in der Drogerie. Für Veganer wird Sojasahne und Seidentofu kein Mysterium sein, aber vernünftiger veganer Sauerrahm und Sojamilchpulver, wie man ihn für ein paar Rezepte benötigt, ist doch schwieriger zu finden. Das müssten die meisten Menschen wohl bestellen. In fast jeden Rezept wird Xanthan benötigt, das selbst in Berlin schwer auffindbar war. Bevor es überhaupt ans Eismachen ging, hatte ich also schon recht viel Geld für die Zutaten ausgegeben. Allerdings braucht man für die Rezepte von Xanthan und Co sehr wenig. Pro Liter Eis, ist es dann nicht mehr so teuer.

So gut wie alle Eisrezepte sind auf veganer Sahnebasis. Daneben wird noch die Zubereitung auf Cashewbasis für „Rohkost“-Eis erklärt, Low-Fat Eis auf Seidentofu-Basis und die Herstellung von Eis ohne Eismaschine im Hochleistungsmixer. Die Sahne-Rezepte werden dann je nach Zubereitung angepasst. Die Idee für verschiedene Zubereitungsarten finde ich toll, aber es kann auch ein bisschen verwirren, wenn man die Zutatenliste dann manuell anpassen muss.
Die Rezepte teilen sich in die Kategorien Klassiker, Sommerlich-Leicht, American Favorites und Ice Cream with a twist auf. Insgesamt sind in dem Buch 34 Eisrezepte enthalten (exkl. Varianten). Dazu kommen noch 6 Rezepte in der Kategorie Specials, Eistorte, Shakes & Co. und 10 Gebäck- und Saucenrezepte.

Neben klassischen Geschmacksrichtungen wie Vanille, Chocolate Chip, Kokosnuss, Erdbeere, Maple Walnut, Pistazie, Sauerrahmkirsche und Co, gibt es auch viel Ausgefallenes wie das Green Smoothie Eis, Lemon Cheesecake, Basilikum-Zimt, Absinth, Chai Latte, Matcha, Irish Cream, Edelkastanien-Eis und Pina Colada. Am Ende des Buches befinden sich noch Rezepte für eine Eistorte, Eiscremeshakes, Eis-Sandwiches, Eiswaffeln und diverse Saucen. Außer den drei Rezepten in denen Alkohol im Zentrum steht (und wo leider keine Alternative gegeben wird) habe ich vor mich durch alle Eissorten durchzuarbeiten. Da jedes Rezept einen Liter Eis ergibt, habe ich bis jetzt erst fünf Sorten zubereiten können, die ich zusammen mit Freunden probierte habe.

Frozen Yoghurt: Für das einfachste Rezept habe ich die Zubereitung ohne Eismaschine gewählt. Das Resultat war lecker und auch besser, als wenn ich einfach die Packung Sojajoghurt in den Gefrierschrank gestellt hätte. Dennoch war die Konsistenz nicht großartig. Ich würde das Ganze noch ein mal mit einer Eismaschine machen um ein cremigeres Eis zu bekommen. Der Geschmack war lecker und erfrischend und das Rezept ist für jeden zu meistern.

Gesalzenes Karamell: Dieses Rezept war etwas kompliziert. Zunächst wird aus Zucker Karamell hergestellt, dann wird Sojasahne eingerührt und das Ganze wird aufgekocht. Leider wurde mein Karamell sofort steinhart und es war sehr schwer das Ganze wieder aufzulösen. Im Endeffekt hat es geklappt, aber ich musste vom Rezept abweichen. Für Koch-Neulinge wäre das wahrscheinlich kein gutes Rezept zum Anfangen. Das Eis wurde sehr cremig aber blieb auch relativ weich, egal wie lang es im Gefrierschrank blieb. Das ist nicht schlecht, wir mussten es nur schnell essen. Ich bin kein großer Karamell-Freund, aber dafür schmeckte es recht gut. Meine Freundinnen fanden das Eis alle lecker.

Chocolate Peanutbutter: Bei diesem Eis hat meine Eismaschine nach fünfzehn Minuten aufgegeben, da die Masse zu fest zum Rühren war. Im Rezept steht, man solle die Erdnussbutter unterheben, sodass „Swirls“ entstehen. Das hat bei mir leider gar nicht funktioniert und die Erdnussbutter wurde vollständig untergerührt. Wahrscheinlich weil die Erdnusbutter dann Teil der Grundmischung wurde, war die Textur des Eises im Endeffekt sehr fest und nicht sehr cremig. Eine Freundin meinte, wenn das Eis abkühlen lasse, würde es wahrscheinlich nicht schmelzen, sondern man könnte es als Schoko-Erdnusspaste aufs Brot schmieren. Geschmacklich überzeugte die Eissorte allerdings, und das obwohl ich zu dunkle Schokolade benutzt habe (80% statt 50-60%). Das Eis schmeckte lecker aber sehr mächtig, wie „eingefrorene Mousse au Chocolat“, wie eine andere Freundin meinte. Ich würde das Eis noch mal machen, aber diesmal mit hellerer Schokolade und noch mehr Vorsicht beim Unterheben der Erdnusspaste.

Himbeereis: Das Himbeereis ist als Variation des Erdbeereises angegeben. Hier habe ich mich für die Zubereitung als Sorbet aus dem Mixer entschieden. Das hat funktioniert, hat mich zunächst ein wenig verwirrt, da man die Zutaten der anderen Zubereitungsart für jedes Rezept angleichen muss, und das manchmal verwirrend werden kann. Im Rezept für Mixer-Zubereitung steht „die Rezepte auf Fruchtbasis (Sorbet)“ könnten auch auf diese Art zubereitet werden. Ich verstehe unter einem Sorbet jedoch eigentlich keine Sahneeis mit Fruchtgeschmack, deswegen war ich unsicher ob dieses Eis funktionieren würde. Trotz der Unsicherheit bei der Zubereitung, und ohne die Hilfe der Eismaschine, wurde dieses Eis ein voller Erfolg. Geschmacklich fand ich es von allen Eissorten am Besten. Es war zwar erfrischend und leicht wie ein Sorbet, aber dank der Sojasahne auch cremig.

Stracciatella: Diese Variante des Vanille-Eises habe ich in der Abwandlung als Low-Fat Eis auf Seidentofu-Basis ausprobiert. Meine Bedenken, das Eis könnte nach Tofu schmecken, wurden zum Glück nicht bestätigt. Hingegen wurde dies neben dem Himbeereis mein zweiter Favorit. Das Eis ist cremig und genau so wie Eiscreme sein sollte.

„Eis mit Stil“ ist ein tolles Eis-Buch – nicht nur für Veganer. Allerdings kann das Kochbuch, mit vielen fremden Zutaten und vielen Zubereitungsmöglichkeiten, für jemanden der noch nie in der Küche stand ein wenig überwältigend sein. Hat man Xanthan & Co erstmal gekauft und hält man sich nur an die Sahne-Eis-Zubereitung, so sollten auch Kochneulinge auf ihre Kosten kommen. Ich bin mir sicher, ich werde noch viele weitere Rezepte ausprobieren. Und drin schmökern werde ich sowieso weiterhin.

Daten zum Buch:
Titel: Eis mit Stil – only vegan
Autor: Sonja Dänzer
Verlag: Neuer Umschau Buchverlag  GmbH
Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86528-748-9
Preis: 19,95€

Detailseite des Verlags

You may also like

1 Comment

  1. “gesalzenes Karamelleis” wow, das hört sich wunderbar an. Allerdings finde ich diese exotischen Zutaten schon ein bisschen unpraktisch. Nun ja, du schreibst ja, dass sie dann auch lange verfügbar sind.

Leave a Reply to Elvira Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *