“Deutsche essen durchschnittlich 1094 Tiere im Leben, du auch?”

Der Bitte meiner Mutter folgend habe ich hier auf Ciao.de einen schnellen Beitrag zum Veganismus gepostet. Ich dachte, ich veröffentliche ihn hier noch mal, vielleicht hat ja der eine oder andere konstruktive Kritik für mich übrig. Der Artikel ist an Nicht-Veganer gerichtet, aber fast natürlich auch allgemein mehr oder weniger meine Beweggründe für Veganismus zusammen. Das Wort Speziezismus habe ich lieber erst mal außen vor gelassen,  sonst hätte ich richtig ausholen müssen. Natürlich habe ich eigentlich noch viel mehr zum Thema zu sagen… 

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Mit fünf Jahren sah ich am polnischen Strand wie ein Fischerboot seinen Fang des Tages einholte. Ich musste weinen und konnte danach keinen Fisch mehr essen. Zumindest konnte ich sie dann wieder ansehen, wie Kafka schon sagte: „Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr”.

Je älter ich wurde desto mehr verstand ich jedoch, dass es den anderen Tieren nicht weniger schlecht ging als den Fischen, nur damit ich sie essen konnte.
Mit 7 Jahren teilte ich meinen Eltern mit, dass Vegetariern sein wollte und hörte auf, Fleischprodukte zu essen die man als solche erkennen konnte. Als Kind in einer omnivoren („Allesesser“) Familie und einem Schülerhort fiel es mir manchmal schwer nur die Beilagen zu essen. Mit 12 wurde ich schließlich konsequente Vegetarierin und aß kein Fleisch, Fisch und auch keine Gelatine.

Mit 14 begann ich, dank ärztlicher Empfehlung, meinen Konsum von Milchprodukten einzuschränken und Joghurt, Quark und ähnliches verschwand von meinem Speiseplan.
2007, mit 17, entschloss ich mich dann aus Tierrechtsgedanken und ökologischen Überlegungen, vegan zu worden. Seit 6 Jahren bin ich nun als Veganerin und esse keine Tierprodukte mehr und versuche auch so weit wie möglich andere Tierprodukte, wie beispielsweise Leder, zu meiden.

Innerhalb der Zeit zwischen meiner emotionalen Reaktion auf Tierleid als Kleinkind und meinem langjährigen Veganismus, hatte ich natürlich viel Zeit über meine Begründungen nachzudenken. Auch wenn ich immer noch auf viel Unverständnis was Tierrechte betrifft stoße, so war Veganismus vor zehn Jahren noch viel unbekannter und ich hatte viele – meist ungewollte – Chancen meinen Veganismus erklären und rechtfertigen zu müssen. Durch mein Philosophiestudium und Anregungen durch meinen omnivoren Freund, habe ich mich in den letzten Jahren vor Allem mit den philosophischen Seite beschäftigt. Ich bin der Meinung, dass das ein veganer Lebensstil moralisch konsequent ist.
Wir leben in einem Land, in dem das Wort „Gutmensch“ ein Schimpfwort ist und man für den Versuch sich konsequent moralisch zu verhalten oft schief angesehen wird. Ich gehe in meiner Argumentation dennoch davon aus, dass Menschen ein Interesse daran haben, sich moralisch richtig zu verhalten. Wenn man kein Fan von moralischen Regeln ist, und dafür kann es gute Gründe geben, dann zieht meine Argumentation nicht. Wenn eine Person kein großes Interesse daran hat sein Leben danach zu richten was richtig und falsch ist, dann kann ich diese Person auch nicht überzeugen, in dem ich ihr sage, dass Tierprodukte zu essen „falsch“ sei. Das heißt nicht, dass diese Person nicht trotzdem gut beraten wäre sich vegan zu ernähren, denn es gibt nicht nur moralische Argumente für den Veganismus. Auf diese anderen Punkte komme ich auch kurz zu sprechen, allerdings glaube ich dass das beste Argument für den Veganismus die Tierrechte sind.

Weiterhin gehe ich davon aus, dass Gewohnheit keinen moralischen Gehalt hat. Das heißt, ich glaube nicht, dass eine Handlung in Ordnung ist, nur weil diese Handlung gesellschaftlich akzeptiert ist und wohlmöglich die Norm ist. Andersherum gilt dasselbe: nur weil etwas gesellschaftlich verpönt ist, bedeutet es nicht, dass ich nicht moralisch richtig ist.
Das alles klingt erst einmal ziemlich hart, denn es wirkt zunächst alles andere als tolerant. Ich als Veganerin könne ja meine Meinung vertreten, aber sollte andere Meinungen auch akzeptieren können. Ich bin total dafür andere Lebensweisen zu akzeptieren, aber immer nur so weit diese Handlungen niemandem anderen Leid zu fügen. In diesem Falle wird jedoch den Tieren klar Leid angetan.

Ich möchte klar machen, dass ich nicht sage, dass alle Nicht-Veganer unmoralische Menschen sind, sondern nur dass das bewusste Unterstützen von Tierquälerei unmoralisch ist. Jeder Mensch tut in verschieden großen Maße Dinge die moralisch nicht ganz richtig sind. Mein Freund, meine Familie und die meisten Menschen die ich kenne sind keine Veganer und trotzdem sind es im Allgemeinen liebe, moralische Menschen. Die Frage warum man oft nicht so handelt wie man es moralisch für richtig hält ist kompliziert und würde hier zu viel Platz einnehmen. Schwer fällt es mir allerdings zu akzeptieren, dass Menschen denken, dass es moralisch in Ordnung ist Tiere nach Belieben zu nutzen. Ich bin überzeugt, dass man jedes Argument, dass für den Verzehr von Tierprodukten angebracht wird, widerlegen kann. Gedankenspiele wie „Was würdest du tun wenn du auf einer einsamen Insel stranden würdest, und sonst verhungern würdest?“ sind hierbei erst ein mal irrelevant, denn sie haben wenig mit der Realität unseres Lebens zu tun (auch wenn es Spaß machen kann diesen Gedanken bei Gelegenheit nachzugehen).
Die von uns als „Nutztiere“ bezeichneten Tiere – Kühe, Schweine, Hühner, Vögel, Fische, Pferde, Schafe, und einige andere – sind hochentwickelte Lebewesen. Die meisten Menschen würden es wohl nicht in Ordnung finden, einen Hund zu töten, weil man sein Fell haben möchte, oder eine Katze zu melken, weil man aus ihrer Milch Käse produzieren möchte. Wir verstehen, dass diese Tiere Schmerzen, eigene Interessen und Persönlichkeiten haben. Jeder der schon ein mal ein Haustier hatte, wird dies bestätigen können. Im gleichen Maße möchte ein Schwein nicht gefangen gehalten werden und getötet werden. Wen man nicht glaubt, dass nichtmenschliche Tiere signifikante Empfindungen haben können, kann sich der aktuellen biologischen Forschung zuwenden und dort die Bestätigung finden. Oder er geht zu einer Kuh und nimmt ihr ihr frischgeborenes Kalb weg und schaut wie sie reagiert. Wenn man weiß wie ein Hund jaulen kann, wenn man ihm aus Versehen auf den Schwanz tritt, kann sich vielleicht vorstellen wie es einem Schwein oder einer Kuh in der Massentierhaltung geht.

Unmoralisch an der Nutzung von Tierprodukten ist sowohl die Haltung, als auch die Tötung. Welches von beidem schlimmer ist, da kann man sich viel drüber streiten, aber das beides den Tieren Leid zufügt lässt sich schlecht abstreiten. Während eine konsequente vegetarische Ernährung die Tötung der Tiere umgeht, umgeht sie nicht das Tierleid, dass durch die Tierhaltung entsteht. Leider hält sich das Gerücht, dass Tiere weniger leiden, deren Fleisch mit dem Sticker „biologisch“ im Handel liegen. Auch biologische Haltung ist im Allgemeinen eine Massentierhaltung. Natürlich ist es theoretisch möglich, sich ein eigenes Tier mit ganz viel Liebe und Vorsorge großzuziehen um es dann zu schlachten. Aber auch dann bleibt die Frage nach der moralischen Rechtfertigung für das Töten dieses Tieres.
Ich glaube, dass es ein egomanischer Zug der Menschen ist, zu denken ihre Spezies sei für die Welt as Wichtigste überhaupt. Allerdings kann man auch glauben, dass der Mensch der „König der Tiere“ sei und trotzdem Mitgefühl für Tiere empfinden. Es reicht zu verstehen, dass das Leid der Tiere wichtiger ist, als das eigene Interesse an Gewohnheit und kurzlebigem Genuss.

Veganismus wohnt der Versuch inne Tiere nicht als Ware zu verstehen, sondern als Lebewesen mit eigenen Interessen, die wir in unserem Handeln berücksichtigen sollten. Aber wie sieht es mit Veganismus und anderen moralisch relevanten Fragen aus. Verhungern wir womöglich alle, wenn wir keine Tierprodukte mehr essen können? Schaden wir der Umwelt, wenn wir alle Tiere plötzlich leben lassen? Mitnichten.
Für die Umwelt ist eine vegane Ernährung wesentlich besser als eine tierische Ernährung. Die Produktion eines einzigen Kilogramms Rindfleisch verbraucht mit 335 Kg Co2 genauso viele Treibhausgase wie 1600 Km Autofahrt mit einem durchschnittlichen europäischen PKW. Wer sich selbst als Umweltschützer versteht aber dennoch regelmäßig Tierprodukte zu sich nimmt, sollte darüber noch ein mal nachdenken. Wer mehr über die negativen Auswirkungen von Tierprodukten auf Umwelt und Klima wissen möchte, dem kann ich diese Seite empfehlen: http://www.vebu.de/umwelt/probleme-der-viehwirtschaft/94-wieviel-fleisch-ertraegt-die-welt

Und die Gesundheit? Auch Veganer können sich ungesund ernähren. Ich spreche aus Erfahrung. Veganismus kann jedoch gesundheitsfördernd sein in einem Maße in dem dies mit Tierproduktekonsum nicht geht. Das Risiko für einige der häufigsten Todesursachen der westlichen Welt, wie Herzkrankheiten, können mit der richtigen veganen Ernährung drastisch reduziert werden. Wen die potentiell gesundheitlichen Vorteile einer veganen Ernährung interessieren, dem empfehle ich die englische Website http://nutritionfacts.org & zum Einstieg dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=5bcdCPOXm8o
Bevor ich Veganerin wurde hatte ich Angst, dass ich Käse vermissen würde. Jahrelang dachte ich, dass vegan Essen zwar richtig aber „zu schwer“ wäre. Und heute? Ich vermisse kein einziges unveganes Lebensmittel. Die Geschmacksnerven des Menschen können sich bereits innerhalb von ein paar Wochen umgewöhnen. Am Anfang ist die Umstellung vielleicht schwer, aber danach ist es einfach „normal“. Ich koche und backe viel und gut – alles ohne Tierprodukte. Ich finde die Vorstellung Fleisch zu essen heutzutage nur noch bizarr. Ein Stück Fleisch auf einem Teller sieht für mich ungefährt so appetitlich aus wie ein Stück Holz. Veganismus bedeutet nicht auf Genuss zu verzichten, sondern sich eine Zeit lang in der Umstellungsphase umgewöhnen zu müssen. Das ist alles. Und diese Umstellungsphase ist, meiner Meinung nach, kein gutes Argument gegen Leidensreduktion.

Und wenn man sich trotzdem nicht vorstellen kann, für immer auf Tierprodukte zu verzichten? Der sollte vielleicht in kürzeren Zeiträumen denken. Mit einer veganen Malzeit am Tag anfangen, einen veganen Tag die Woche einlegen. Jede Malzeit zählt. Andere hingegen wollen lieber gleich 100 % umstellen und versuchen 1-2 Monate vegan zu leben um zu sehen wie es ihnen damit geht und bleiben dann einfach immer länger dabei.
Wer interessiert aber nicht überzeugt ist, dem empfehle ich die Bücher „Kein Fleisch macht glücklich“ von Andreas Grabolle, „Tiere Essen“ von Jonathan Safran Foer, „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ von Melanie Joy und „Animal Liberation“ von Peter Singer.

Um alle Aspekte des Veganismus zu behandeln reicht so ein einziger Artikel natürlich nicht aus. Ich befasse mich seit Jahren mit dem Thema und es ist sehr schwer, alle Argumente kurz zusammenzufassen. Ich habe versucht mich kurz zu halten, aber antworte gerne auf ernstgemeinte Fragen zum Thema.

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Primaten bei der Bank

Heute teile ich nur kurz eine kuriose Nachricht aus der Wissenschaft:

Menschen treffen die gleichen Entscheidungen bei der Vermögungsanlage

Ich freue mich immer über Forschung die aufzeigt wie “menschenähnlich” (den faszinierenderweise wird eben von allen intelligenten Handlung als “menschlich” gedacht) Affen handeln. Gleichzeitig stehe ich aus dem gleichen Grund solchen Studien an Affen sehr skeptisch gegenüber. Wirtschaftsstudien an Affen? Als hätten die Affen nichts besseres zu tun.

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“Ich bin kein Veganer, wegen der Vegan-Polizei!”

Lindsay Nixon von Happy Herbivore feiert gerade ihr 1 Jähriges Jubiläum von “I’m not ‘vegan’ anymore“. Vor einem Jahr entschied sie sich, dass die böse vegane Polizei gewonnen habe und sie nun keine Veganerin mehr sei, weil sie so viele böse Kommentare zu ihrem Honigkonsum und anderen Dingen die angeblich nicht vegan genug seien. Sie kocht jetzt nicht mehr vegan sondern “plant-based”, was im Endeffekt essenstechnisch keinen Unterschied macht. Von der Herangehensweise allerdings schon. Aber auch in Deutschland muss man für so etwas nicht weit weg schauen, sondern findet ähnliche Aussagen bei dem Liebling der Deutschen Attila Hildmann.

“Die Veganazis haben mich aus ihrem elitären Veganclub ausgeschlossen. Was mach ich jetzt bloß? Darf ich noch Obst, Gemüse und Tofu essen? *grübel* Und wie nenn ich mich jetzt bloß? Fleischkoch, der nur mit Pflanzen kocht? haha ihr”

Dieses ständige Lederschuhthema treibt mich doch tatsächlich morgen in den Nike Store. Mein Unwort des Jahres: “ethisch motivierte Ernährungsweise” Beim Anbau von euren Möhren werden bei der Ernte auch Häschen geschreddert. Bei mir stand am Anfang auch u.a. der Tierschutz aber ihr könnt doch nicht Leute in eure “Ethik” zwingen…

Nixons Bezeichnung der “Vegan Police” wirkt fast noch putzig im Gegensatz zu Hildmanns “Vegan-Nazis”. Ist es berechtigt Veganer die andere selbst-bezeichnete Veganer kritisieren als Polizei (staatliche Machteinheit) oder als Nazis (faschistisch und nationalistisch) zu bezeichnen? Wohl kaum.

Veganer bedeutet nun mal mindestens, dass man sich vegan und nicht-tierisch ernährt und eigentlich eben auch, dass man den Versuch macht andere Nutzung von Tierprodukten zu meiden. Letzteres ist schwer, viel schwerer als der Ernährungsaspekt. Es geht hier ja nicht nur um Lederschuhe oder nicht, Tierprodukte ziehen sich durch die ganze menschliche Nutzung. Inwieweit setze ich ein Statement oder helfe den Tieren wenn ich kein Bus mehr fahre wegen den unveganen Reifen?

Die erste Frage die das ganze aufwirft ist folgende: Ist es okay sich Veganer zu nennen aber (beispielsweise) Honig zu essen?

Und zweitens: Wenn es nicht “okay” ist, was passiert denn dann?

Und letzteres ist fast der interessantere Punkt. Denn es gibt keine vegane Polizei. Es gibt Einzelpersonen die es stört, wenn jemand von sich sagt Veganer zu sein und dennoch Tierprodukte isst ohne darin ein Problem zu sehen. Genauso wie es so manchen Vegetarier irritiert, wenn Vegetarismus für manche Menschen mit Fischkonsum einhergeht. Offensichtlich ist es eine persönliche Entscheidung der Person, aber eben eine persönliche Entscheidung die dennoch kritisch hinterfragt werden kann und auch Implikationen für andere  Menschen und andere Tiere hat.

Das einzige was passiert, wenn man sich als Veganer bezeichnet aber manche Tierprodukte unproblematisch findet, ist dass man sich Kritik aussetzen muss. Und, dass das okay ist möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen. Stellt euch vor ihr macht einen Blog auf über antirassistische Arbeit in dem ihr immer wieder rassistische Wörter benutzt. Auf die Hinweise der Leser hin, dass es ja wohl echt nicht okay ist menschenverachtende Wörter zu benutzen, sagt man dann, dass es ja wohl besser ist als gar nicht antirassistisch zu sein, und ihr hättet eure persönlichen Gründe das sagen zu dürfen. Hier gibt es dann zwei Möglichkeiten. Entweder man kann erklären, wieso sein Verhalten nicht rassistisch ist oder man gibt zu, ja, stimmt, da bin ich wohl doch irgendwie etwas rassistisch. Da werde ich dran arbeiten (oder es eben so lassen und weiter vor mich hin ein wenig rassistisch sein).

Man hat auf den Vorwurf “Du bist kein echter Veganer…” zwei Antwortmöglichkeiten:

– Doch. Ich bin Veganer weil….. (und hier erklärt man sinnvoll, wieso das angeblich unvegane Verhalten doch okay ist).

– Nein. Du hast recht. Ich bin kein Veganer. Ich höre auf es zu sagen/Ich werde es weiter sagen, der Einfachhaltshalber, dann aber damit klar kommen müssen diesen Kritikpunkt öfter hören zu müssen.

Das alles bedeutet natürlich nicht, dass es nicht Veganer gibt die blöde Kommentare machen und dumme Sachen sagen. Die gibt es allerdings genauso unter “Herbivoren”, Fleischessern und allem zwischendrin. Ich höre nicht auf Veganer zu sein, weil es ein paar Idioten gibt denen ich nicht zu stimme, so wie ich nicht aufhören würde antirassistisch und feministisch zu sein, nur weil Leute dann “an was falsches” denken und es wohl echt irgendwo Leute geben soll die sich feministisch und antirassistisch nennen, und die echt blöd sind. Um so mehr ein Grund mit gutem Beispiel voran zu gehen und die Wörter positiv umzuwerten.

Im Endeffekt halt ich es allerdings, denke ich, für gut, dass eine Seite wie Happy Herbivore klar macht, dass es ihr nicht um Veganismus und Tierrechte geht. Dass sie sich vor Allem aus gesundheitlichen Gründen pflanzlich ernährt und das damit deutlich macht. Die Art und Weise  wie sie argumentiert (ihr bösen Veganer seid alle Schuld) kann ich natürlich nicht gutheißen.  Auf die Spitze getrieben wurde das natürlich noch ein mal von Attila Hildmann. Wer errinnert sich nicht gerne an Sätze wie

„Diese ganze Veganerszene ist durchsetzt von Missionaren. Schon mal was von Leben und Leben lassen gehört? Ihr müsst nicht ständig versuchen, Leute zu missionieren. Lebt einfach euer Ding und hört damit auf, ständig Leute zu kritisieren, die Fleisch essen wollen. Ich esse seit 10 Jahren vegan, mir gehts wunderbar. Aber bei euren Kommentaren krieg ich ernsthaft Lust auf Schnitzel, Käse und Steak! Vegan-Nazis sind out!“

Hier ist der Punkt in dem ich mir auch fast wünsche auch er würde den Begriff Veganismus einfach ganz links liegen lassen. Mit “Vegan for fit” und “Vegan for fun” im Gegensatz zu “Vegan for the Animals” wird zwar die Zielrichtung schon klar, aber für Leute ausserhalb der veganen Szene kann ja nicht klar sein, dass Veganer so sind. Genauso wie manche Leute nicht mit den “verrückten Tierschützern” unter einen Hut wollen, so will ich beispielsweise nicht mit Gesundheitsfanatikern die unqualifizierte Ernährungstipps geben, gleichgesetzt werden.

Da dieser Post bereits viel zu lang ist möchte ich nur kurz auf den Trugschluss eingehen, den sowohl Happy Herbivore als auch Hildmann benutzen. Den “Leben und Leben lassen” Punkt. Denn offensichtlich bin ich als Veganerin, der die Tiere wichtig sind, an einem friedlichen Zusammenleben interessiert. Nur ist das für nichtmenschliche Tiere nicht möglich in einer Welt in der sie brutal als Nutztiere missbraucht werden. Toleranz kann immer nur so weit gehen wie das Verhalten der anderen niemandem seine Rechte nimmt. Und unveganes Verhalen nimmt den Tieren ihre Rechte und ihre Möglichkeit auf selbstbestimmtes Leben. Deswegen kritisiere ich es. Auch wenn es nervt und niemand gerne kritisiert wird.

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