Buchreview: Go vegan!: Warum wir ohne tierische Produkte glücklicher und besser leben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zufällig fiel mir in der Bibliothek das Buch „Go Vegan – Warum wir ohne tierische Produkte glücklicher und besser leben“ in die Hände. Da ich grundsätzlich eigentlich jedes Buch über Veganismus ausleihe und lese, habe ich hier keine Ausnahme gemacht. Und das obwohl auf der Rückseite rießig der Schauersatz „Vegan zu leben liegt im Trend“ prangt. Das soll einem wohl zum Kauf animieren, mich schreckt es eher ab.

 

=Autoren=

Das Buch ist ein Sammelband der von Marlene Halser herausgegeben wurde, die mir bis jetzt unbekannt war. Sie schrieb ebenfalls die Einleitung. Die weiteren Texte sind von den unterschiedlichsten Personnen geschrieben, die alle über verschiedene Aspekte des Veganismus oder Nicht-Veganismus schreibens. Da das Buch ingesamt nur knapp 200 Seiten umfasst, hat jeder jeweils nur ein paar wenige Seiten.

Die Texte sind vom Koch und Kochbuchautoren Surham Göb, dem Arzt Dr. med. Ernst Walter Henrich, den Betreibern des berliner veganen Supper Club Nicole Just (die man wohl besser von ihren Kochbüchern kennt) und Felicia Mayer-Jendro. Des weiteren schreibt Schauspielerin und Model Ariane Sommer; Koch, Kochbuchschreiber und Restaurantbetreiber Björn Moschinski; der stärkste Deutsche Patrik Baboumian; der Winzer Klaus Wolf; Raphael Fellmer, der Gründer von Foodsharing; Tierretter Stephan Bröckling; Peta-Mitglied Edmund Haferbeck; Jogalehrerin Antje Schäfer; Bloggerin Claudia Renner; Attila Hildmann; der Sozialwissenschaftler Bernd-Udo Rinas; der Gründer der Veganz-Supermarktkette Jan Bredack; Ana und Snadra Umann, die das vegane High-Fashion-Label „Umasan“ gegründet haben; Stephan Becker der Naturkosmetikfirma benecos; Anne Bonnie Schindler und Sara Rodenhizer, die in Berlin einen veganen Sexshop betreiben; Marco und Tina Maas des veganen Tattoostudios „Farbenwelt“; die Gastronomin Sandra Forster.

 

=Inhalt=

Im Vorwort erklärt Marlene Halser die Idee des Buches. Zwanzig Vertreter der „veganen Szene“ wollte sie interviewen, um die Vielfalt darin darzustellen und zu zeigen wie homogen und differnziert diese Szene ist. Es beginnt damit, dass Surdham Göb beschreibt wie er Veganer wurde, sich dem Hinduismus annährte und wie er zum veganen Koch wurde. Mir so Aussagen wie „Wichtig ist, dass man bei der Umstellung nicht zu einem Discounter-Veganer wird, denn dann ernährt man sich nicht gesund.“ Wieso mein Gemüse von Netto nicht gesund sein soll, wird allerdings nicht erklärt. Ich schätze er meint, dass man als Veganer all seine Lebensmittel in Bioqualität kaufen soll? Da stimme ich erstens nicht zu, zweitens gibt es auch Bioprodukte im Discounter…

Das Kapitel des Arztes Dr. med. Ernst Walter Henrich finde ich zwar eigentlich gut, aber nur mit Abstrichen. Er erklärt warum Veganismus gesund ist, allerdings sagt er öfter „Studien haben gezeigt…“ und ich frage mich natürlich um welche Studien es genau gehen soll. Namentlich nennt er nur die China Study, was ich ein wenig schwach finde.

Ariana Sommers Kapitel darüber, wie Veganismus der Haut und dem Aussehen hilft ist zwar etwas oberflächlich und auch spekulativ/anekdotisch, dafür spricht sie an, was viele andere Menschen interessiert. Das „vegan-as-possible“ sein, also manchmal nicht vegan. Ich stehe da ja zwigespalten dazu. Ich bin total dafür, dass auch unvegane Menschen oft vegan ist, aber die Verwässerung des Begriffs erscheint mir eher kontraproduktiv.

Der Text des nicht-vegetarischen Winzers Klaus Wolfs, der auch veganen Wein verkauft, fand ich überflüßig und auch ein wenig selbstbeweiräuchernd. Einer der schlechtesten Texte war allerdings der von Edmund Haferbeck, der Tierrechtsorganisation PETA. Er verteidigt die teilweise schrecklichen Kampagnen von Peta (ob nun sexistisch, Holocaust-relativierend oder einfach nur dumm-beleidigend) damit, dass man nur mit Radikalität etwas bewegen könne, außerdem „Es ist nun mal so, Sex sells“. Ein extrem frustrierender Artikel, der mich nochmal daran erinnert hat, warum ich PETA wirklich nicht mehr unterstützen möchte.

Die restlichen Artikel schwanken zwischen informativ und Werbe-artig hin und her. Wieso eine vegane Modelkette interviewt wird, verstehe ich, aber wieso ein nicht-veganes Naturkosmetiklabel zu Wort kommt, nicht. Es wird doch wohl bessere Vertreter der „veganen Szene“ geben als nicht-vegane Firmen?

Interessant fand ich das Gespräch mit Nicole Just und Felicia Meyer-Jendro, darüber wie sie vegan wurden und wie es dazu kam, dass sie ihren veganen Supper Club in Berlin eröffneten. Auch Patrik Baboumians Text war spannend zu lesen. Er beschreibt wie er Veganismus mit Extremkraftsport kombiniert, wie seine Konkurrenten reagieren und beispielsweise wie er es schafft pflanzlich 300 Gramm Protein am Tag zu essen.

Ebenso finde ich Raphael Fellmers Text darüber wie und wieso er vegan und ohne Geld lebt interessant. Sein Projekt Foodsharing, in dem er Essen was sonst weggeworfen wird, versucht weiterzuvermitteln, ist sehr unterstützenswert.

Den Text des undercovere Tierretters Stefan Bröckling fand ich spannend, auch wenn ich nicht unbedingt zustimme, dass das die einzig richtige Art ist, etwas für Tierrechte zu tun. Positiv fällt noch der Text von Anne Bonnie Schindler und Sara Rodenhizer auf, die in Berlin einen veganen queerfeministischen Sexshop betreiben und erzählen, wie es dazu kam.

Beim letzten Text des Buches weiß ich nicht genau, was ich davon halte. Die Müncher Gastronomin Sandra Forster erzählt, wieso sie, als Veganerin, den veganen Hype nervig findet. Was genau die Aussage des Textes sein soll, fand ich auf Grund der wirren Struktur ein bisschen schwer herauszufinden. Aber es scheint, dass sie sich eigentlich nicht gegen den Veganismus als Solchen wendet, sondern gegen den Gesundheitswahn der damit einhergeht. Sie sagt, sie möchte eben auch ungesund leben dürfen als Veganerin, möchte rauchen, trinken, usw. Außerdem sei der gesellschaftliche Druck alles „richtig“ zu machen im Vegantrend nervig. Ich bin mir, wie gesagt, nicht wirklich sicher was ich vom Text halte, aber zumindest wird hier wirklich eine kontroverse Haltung vertreten. Wenn diese noch besser ausformuliert wäre, wäre das ein Pluspunkt gewesen.

 

=Meinung=

Eigentlich finde ich es einen interessanten Ansatz, die Vielfalt innerhalb der veganen Szene zu zeigen und aufzuzeigen, dass es verschiedene Gründe gibt, vegan zu leben. Die Umsetzung überzeugt mich allerdings nicht wirklich. Ich verstehe zunächst ein mal nicht für wen das Buch ist. Für VeganerInnen? Für Interessierte Nicht-Veganer? Da es keine richtige Einführung in die Thematik an sich gibt, kann es ja nicht für gänzliche

Vielleicht irritiert mich das Buch auch, weil ich mich wirklich von keinem der zwanzig Beiträge repräsentiert fühle. Natürlich können einem nicht alle Beiträge gefallen, dafür sind sie ja zu unterschiedlich. Aber zumindest einer der Beiträge könnte doch philosophischer-rationaler Natur sein.

Zumindest ein Beiträg könnte doch erwähnen, dass es völlig ok ist, „Discounter-Veganer“ zu sein, wie es in diesem Buch genannt wird. So wie das Buch ist, erscheint es nämlich eher etwas für die Besserverdiener unter uns sein, ein „Trend“ den ich neben dem Gesundheitswahn im Veganismus als wirklich bedenklich ansehe. Sich aus ethischer Sicht vegan zu ernähren, kann trotzdem heißen sich Bohnen und Reis von Aldi zu kaufen. Wenn man das als Buch von vornherein ausschließt, finde ich das weder fair den Menschen gegenüber, die sich für eine vegane Ernährung interessieren und nicht viel Geld haben, als auch den Tieren, die doch ein Interesse daran haben, dass der Veganismus möglichst offen für viele verschiedene Menschen ist.

Nur Raphael Fellmer, der ja schließlich ohne Geld lebt, zeigt, dass man nicht viel Geld haben muss um vegan zu leben. Allerdings denke ich, dass dies widerrum des andere „Extrem“ des Buches ist und die meisten Menschen leider noch nicht ganz für foodsharing bereit sind.

Ich kann mir vorstellen, dass dies ein interessantes Buch hätte werden können, wenn man etwa die Hälfte der Autoren durch andere ausgetauscht hätte, denn es muss doch noch bessere Vertreter der „veganen Szene“ geben. Ich denke zum Beispiel an kompetete Autoren wie Andreas Grabolle (Autor von „Kein Fleisch macht glücklich“) und Hilal Sezgin („Artgerecht ist nur die Freiheit“). Außerdem hätte eine bessere Struktur dem Buch gut getan. So wirkt das ganze zu wirr und zu unorganisiert.

 

=Fazit=

Wäre ich nicht schon Veganerin, würde mich dieses Buch wohl nicht inspirieren es zu werden. Die Idee verschiedene Figuren der „Szene“ zu Wort kommen zu lassen finde ich gut, und auch einige der Artikel sind interessant. Aber viele der Artikel sind extrem frustrierend und pseudowissenschaftlich (bei Rohkost würden alle Enzyme und Vitamine erhalten bleiben, lese ich da beispielsweise bei Claudia Renners Text). Außerdem bleibt mir die Zielgruppe des Buches schleierhaft. Ich gehöre auf jeden Fall schon mal nicht dazu. Vielleicht geht das ja „neueren“ Veganern anders.

Titel: Go Vegan! – Warum wir ohne tierische Produkte glücklicher und besser leben
Autorin: Marlene Halser (Hrsg.)
ISBN: 978-3-86883-306-5
Verlag: Riva
Preis: 16,99
Jahr: 2013
Seiten: 204

Das Buch wurde in Deutschland gedruckt und vollständig vegan produziert.

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3 Kommentare

    1. Im Nachhinein fand ich es schon ganz gut es gelesen zu haben, aber über die schlechteren Texte ärgere ich mich immer noch… Aber klar, nicht jedes Buch zum Thema kann ein Volltreffer sein.

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