„Essen wegwerfen ist schlimm, Fleisch essen ist schlimmer“

Ich bin Veganerin aus Tierrechtsgründen, aber das war ich nicht schon immer. Als ich vor über 10 Jahren Vegetarieren wurde hatte ich zwar Mitleid mit den toten Tieren, wichtiger waren mir aber damals der Umweltschutz. Auch heute noch bin ich überzeugt, dass auch wenn Tierrechte wegfallen würden, es genug Argumente für eine Ernährung ohne Tierprodukte gäbe.

Seit Längerem interesse ich mich auch für Nahrungspolitik im Allgemeinen und die Essensverschwendung im Besonderen. Allein 500.000 Tonnen Brot werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen.

Foodsharing ist ein tolles Projekt, bei dem ich mich gerne mehr engagieren möchte, das versucht gegen das Wegwerfen des Essens auf verschiedenen Ebenen anzukämpfen. Es wird versucht für die Problematik zu sensibilisieren und Läden davon zu überzeugen ihre alten aber noch essbaren Lebensmittel abholen zu können. Gleichzeitig bietet es eine Plattform auf der man selbst überschüssige Lebensmittel einstellen kann, von denen man weiß, dass sie schlecht werden und man sie selbst nicht mehr verwenden wird. Und natürlich kann man nachschauen ob in der eigenen Stadt gerade etwas angeboten wird. 

Beim Durchsehen der Produkte ekle ich mich allerdings oft. Es ist toll, wenn Menschen verstehen, dass das Wegwerfen von Lebensmitteln schlecht ist. Wenn ich sehe, dass aber beispielsweise Stopfleberpastete angeboten wird, wird deutlich wie wichtig es ist, dass ein allumfassenderes Verständnis für die Lebensmittelproduktion entsteht. Natürlich ist eine weggeworfene Leberpastete noch schlimmer, als eine gegessene, aber der Fakt, dass diese Leberpastete überhaupt bestehe ist das wirklich große Problem. 

Ich kann verstehen wenn man, so lange Tierprodukte noch hergestellt werden (und das wird leider wohl mein Leben lang so bleiben), auch unvegane containerte und gerettete Lebensmittel isst. Denn sie sind ja sowieso schon da. Ich kann das nicht, auch weil es die Grenzen verschwimmen lässt. Moralisch ist es aber, denke ich, unproblematisch, im Gegensatz zur Produktion und zum Kauf, da man dabei die Nachfrage ja nicht weiter hochhält.

In einem holländischen Zeitungsartikel habe ich heute von einer Studie des Landwirtschafts Institut der Universität Wagening gelesen, die im Auftrag der EU ausgeführt wurde und die Auswirkung unseres Kaufverhaltens und der Nahrungsproduktion auf die Umwelt untersucht hat. Laut der Studienleitung, ist es, wenn man sich entscheiden müsste zwischen dem Stop der Lebensmittelverschwendung und dem Wandel zu einer fleischlosen Ernährung der ganzen Bevölkerung, wäre letzteres besser für die Umwelt und hätte einen größeren positiven Einfluss. Dies sei auch nicht überraschend, da man eigentlich bereits wüsste, welchen großen Einfluss die Fleischproduktion auf das Wasser und den Boden habe. Es wird auch betont, das bereits eine Minderung des Fleischkonsums helfen kann. Wenn jeder Europäer „nur“ noch 3 Tage die Woche Fleisch esse, könnte die Bodenfläche in der Größe von 3x  Belgien eingespart werden. 

Am Besten allerdings, findet die Studie heraus, sei es natürlich wenn sowohl die Produktion von Tierprodukten als auch die Verschwendung von Lebensmitteln zurück ginge – keine Überraschung also. Gewarnt wird noch davor, dass man nicht bewusster einkaufen gehen solle, weniger wegwerfen und dann mit dem gesparten Geld sich extra Tierprodukte kaufen soll. Die Warnung fand ich zunächst amüsant, aber vielleicht ist es sogar realistisch, dass manche Menschen so handeln würden…

Du magst vielleicht auch

3 Kommentare

  1. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich jemand mit dem gesparten Geld als „Belohnung“ Tierprodukte kaufen würde. Um sie bewusst zu konsumieren natürlich, weil das ja sowohl der Umwelt wie auch dem betroffenen Tier so viel bringt…
    Aber ist natürlich super, dass solche Artikel offenbar irgendwo in der Zeitung stehen!

    1. Ja, du hast wahrscheinlich recht. Der Gedanke kam mir einfach erst mal absurd vor. Aber wenn man Tierprodukte halt irgendwo neben „Autofahren“ einsortiert hat, und sich denkt, dass zu viel davon halt schlecht ist, aber ohne „unmöglich“, dann passt es auch dazu, dass man sich damit „belohnt“.

  2. Ich denke, dass man durchaus verschiedene Wege gehen kann, um in die richtige Richtung zu gehen. Essen nicht verschwenden ist ein Ansatz, Essen mit anderen teilen ein noch viel besserer. Das sind alles richtige Schritte in die richtige Richtung. Dass man den Fleischessern darüber hinaus hoffentlich irgendwann mal bewusst macht, dass sie sich nicht nur moralisch sondern auch was die Umwelt und das Hungerproblem betrifft, falsch verhalten, wäre wünschenswert. Trotzdem macht das die anderen Initiativen nicht per se schlecht, sie sind halt nur nicht „gut genug“ …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.