Ein kritische journalistische Ausseinandersetzung mit Primark…?

Lässt sich schwer finden. Kann vielleicht damit zu tun haben, dass akreditierte Journalisten bei Eröffnungen der Filalie nicht nur Fangeschenke bekommen, sondern auch Gutscheine. Seit im Juli im Schloß-Straßen-Center in Berlin ein Primark Laden aufgemacht hat, sehe ich jeden Tag Leute dort hin pilgern und in der Ubahn kommen einen Menschen voller Primark Tüten umhängt entgegen. Der Clou der irischen Firma Primark ist: sie sind so billig wie Kik aber sehen aus wie H&M und Zara. Ich persönlich war noch nicht in der Filalie, da ich mir vorstellen kann, dass es mir wie bei H&M ergehen würde, und ich irgendwas finden würde dass ich dann kaufen wollen würde obwohl ich es für moralisch falsch halte. Und in dieses Dilemma möchte ich mich gar nicht erst begeben.

Beim Googeln fand ich ein paar Artikel die sich kritisch gegenüber Primark äußerten, aber das war entweder ein “Wäh, da gehen doch nur die Armen hin!” (was, soweit ich das überblicken kann, nicht wahr ist, da scheint jeder hinzugehen) oder “Naja, die sind schon schlimm, aber das sind doch alle.”

Vielleicht ist letzteres der Grund wieso ich so wenig Kritik gefunden habe. Die Akzeptanz, dass die mit Kinderarbeit und Billiglohn produzieren, denn, machen das nicht alle? Nein, es machen nicht alle. Nur weil H&M, Zara und auch teurere Firmen das machen, heißt das nicht, dass es nicht anders geht oder nicht anders versucht wird. Nur wird eben bei einer Firma wie Primark klar, dass bei den Preisen niemand vernünftig für die Baumwolle, die Stoffe, die Produktion, etc, bezahlt werden kann. Besonders im Angesicht dessen, dass Primark eine extrem hohe Gewinnspanne hat. Ebenso beim Personal wird ordentlich gespart.

Es schockt einfach niemanden mehr zu hören, dass in Bangladesh die Arbeiterinnen 7 Tage die Woche 12 Stunden arbeiten müssen und trotzdem nicht genug Geld zum Leben haben. Aber stimmt das überhaupt? Thiermeyer behauptet zumindest “Nach jeder größeren Enthüllung über unzureichende Arbeitsbedingungen etwa bei H&M spürt ein Unternehmen das. Kunden ändern ihr Verhalten sofort, wenn sie informiert werden.”

Hier liegt für mich der Knackpunkt. Denn es geht mir nicht darum armen Menschen ohne Geld vorzuschreiben, dass sie sich nicht mehr einkleiden dürfen. Sondern es geht mir um unnützen Konsumrausch. Im Idealfall wäre diese Art der Produktion natürlich nicht nur theoretisch verboten durch die Menschenrechte, sondern es würde sich auch praktisch für die westlichen Firmen auswirken, die so produzieren. So lange ist aber alles was man hoffen kann eine Aufklärung der Ist-Lage. So dass zumindest die Bioladen-Kunden sich nicht mehr trauen mit ihren Primarktaschen durch den Laden zu laufen.

Natürlich ist, eigentlich, Primark nicht kritischer zu sehen, als alle anderen Läden die ihre Kleidung in Sweat Shops unter schlimmen Bedingungen für die Natur herstellt. Andererseits sind sie eben so billig, dass es sich alle Menschen leisten können exzessiv einzukaufen ohne an ihren Geldbeutel zu denken. Es ist zwar ungerecht, dass es sich in teureren Läden nur eine Anzahl von Menschen leisten kann exzessiv einkaufen zu gehen, aber ich sehe es trotzdem wie bei Flugtickets, Autos und Ähnlichem. Denn exzessiver Konsum ist kein Menschenrecht und wenn es sich nur wenige Menschen leisten können, dann ist das immer noch besser, als wenn es alle tun. Gleichzeitig zeigt das natürlich auch die Doppelmoral wieder auf. Der Aufschrei als in China Menschen plötzlich begannen Autos zu kaufen war groß. Aber der eigene Autobesitz? Total normal und okay.

 

Ich wünsche mir sehr eine kritische Ausseinandersetzung mit Primark. Und ich wünsche mir auch, dass es nicht ein klassistisches Armenbashing übergeht.

 

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7 Comments

  1. Es gibt auch eine Möglichkeit für Menschen mit weniger Geld günstige Kleidung zu kaufen, die nicht in Sweat Shops produziert wurde, und die nennt sich Second Hand und von mir aus können Leute auch exzessiv Kleidung kaufen, die andere nicht mehr wollen, und dafür die Kleidung weiterverkaufen, die sie nicht mehr wollen 😉

    1. Klar! Second Hand finden die meisten aber eklig… das ist so schlimm. Da muss irgendwie ein Imagewechsel geschehen. Außer natürlich die hippen second hand Läden die sich dann wieder niemand leisten kann. Allerdings frage ich wie man günstig an ethisch korrekte Unterwäsche kommen kann.

    1. Eine kritische Ausseinandersetzung mit dem Kapital(ismus?) ist immer wichtig, allerdings denke ich, dass es auch innerhalb eines falschen Kapitalismus Produkte geben kann die besser sein können für den Menschen als andere.

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