Leserbrief an Schrot & Korn

 

Sehr geehrte Schrot & Korn Redaktion ,

 

Ich lese schon seit Langem hin und wieder ihr Magazin. Ich weiß eigentlich jedes Mal bevor ich im Bioladen zu ihrem Heft greife, dass ich mich wahrscheinlich ärgeren werde. Aber wegen ihren oftmals sehr leckeren Rezeptideen greife ich doch eigentlich immer zu. Auch ihre kritischen Artikel über die Produktion von Lebensmitteln gefallen mir. Bei jedem Lesen ihres Magazin denke ich dennoch öfter “eigentlich sollte man hier einen Leserbrief schreiben, das kann man so nicht stehen lassen”. Doch dann bin ich zu faul, zu träge oder denke, dass es ja sowieso niemand liest. Aber das ist natürlich eine falsche Einstellung, also versuche ich dies zu bessern.

 

Was ihr Magazin für mich allgemein schwer verdaulich macht ist die Esoterik und Wissenschaftsferne. Dass das Heft voller Werbung für jedes neue Superfood, jedes neue Rohkostprodukte, Gerätschaften und sonstigen Sachen die sich ihr Klientel, die reiche Mittelschicht die versucht ihr Gewissen zu verbessern oder denkt den heiligen Gral der Gesundheit gefunden zu haben, leisten kann – das ist verständlich. Die Werbung ist zwar oft irritierend und irreführend, aber welche Werbung ist das nicht. Und irgendwie muss sich ihr Heft ja auch finanzieren. Nein, meine Kritik hierbei bezieht sich vollkommen auf den Eigeninhalt der Zeitschrift. Da die Esoterik aber nicht der eigentliche Schwerpunkt dieses Leserbriefs sein soll nur muss hier die kurze Anmerkung reichen, das kritisches Hinterfragen nicht nur in Richtung Massenproduktion gefragt ist. Eine kritischere Sicht auf beispielsweise TCM, Ayurveda, Rohkost und besonders Homoöpathie wäre sehr wünschenswert.

 

Was mich aber eigentlich diesen Leserbrief schreiben lässt ist ihre letzte Ausgabe Oktober 2012. Zunächst die interessante Reportage über Tierschutz im Jugendlichen Teil, und dann das Interview mit Dieter Moor und seiner Frau. Hier ein Abschnitt

 

S&K: „Frau Moor, Sie haben für sich eine EU-Sondergenehmigung für den Kugelschuss auf der Weide durchgesetzt. Töten Sie Ihre Tiere selbst?“

M: „Im Moment suche ich die Tiere aus und markiere sie. Unser Revierjäger schaut dann, dass ein Tier so steht, dass es auf einen Schuss in sich zusammenfällt. Nur so bleibt die Herde ruhig. Derzeit mache ich den Jagdschein und möchte es auch selbst tun. Ich habe meinen Tieren versprochen:’Das erste und das letzte, was ihr sehen werdet bin ich, ob es euch passt oder nicht.‘ (…)

 

 

Nachdem kurz die Illusion, des Tieres das nach nur einem Schuss sofort stirbt, inszeniert wird, kommt der Satz der leider so wahr ist: Ob die Tiere wollen oder nicht. Ob sie wollen oder nicht sehen die Tiere nicht ihre Mutter wenn sie geboren werden, sondern Moor. Und natürlich sterben sie auch eines frühzeitigen unnatürlichen Todes, ob sie wollen oder nicht. Und ich bin mir ziemlich sicher: sie wollen nicht.

 

M: „Jeder hat die Achtung zu erbringen, dass hier Fleisch liegt von einem Tier, das uns ernährt. Wir wären in der Evolution nicht an dieser Stelle, wenn wir nicht Kühe gehabt hätten und deren Milch und Eiweiß zu uns genommen hätten.“

 

Ich bin mir nicht sicher, was Moor hier sagen will. Das es gerechtfertigt ist jetzt Fleisch zu essen weil es irgendwann mal geholfen hat die Menschen zu ernähren als Nahrung knapp war? Und dass dies ohne Kuh nie möglich geworden wäre? Was sagt man da den Völkern bei denen Kuhprodukte nie ein großer Teil der Nahrung waren. Dass sie als Menschen nicht genug entwickelt sind, weil sie ohne Kuhprodukte auskommen mussten?

 

M: „Diese Macht, über Leben und Tod zu entscheiden können wir uns ja nur anmaßen, weil es die Tiere ohne unsere Zucht ja gar nicht gegeben hätte. Alle Tiere, die hier stehen, sind hier geboren.

 

Die Zucht ist also der Grund, wieso ein Mensch über Tiere bestimmen darf? Gilt das für alle Tiere? Auch für Menschenaffen? Ich verstehe nicht ganz wie man darauf kommt.

 

Beim Lesen des Interviews habe ich mich geärgert, natürlich. Jedoch ist es nicht verwunderlich, dass Tierzüchter nicht unbedingt in der Position sind, in der es für sie Sinn macht zu hinterfragen, ob nicht der Verzehr von Fleisch und Milchprodukten in einem Land voller Nahrungsmittel überflüssig ist. Ob nicht die Schmerzen des Tieres, das Recht des Tieres auf Leben und Selbstbestimmung und die umweltschädlichen Aspekte der Tierhaltung wichtiger sind als… ja, als was? Ein Lebensmittel das niemand braucht der in einem Land lebt in dem das meiste Essen in die Mülltonne wandert.

 

Das richtige Ärgern und der eigentliche Anlass der E-mail ist jedoch ihr Editorial. Barbara Lehnert-Gruber schreibt selbst: „Dieser Punkt (über das Töten der Tiere) im Interview wird sicherlich für Diskussionen sorgen. Und das ist gut so. Denn wann immer der Umgang mit Nutztieren thematisiert wird, muss auch über die Zustände in den konventionellen Tierfabriken gesprochen werden. Natürlich könnte man sagen: ‘Die Leute sollen einfach auf Fleisch, Käse und Milch verzichten.’ Doch dass alle Menschen Vegetarier und Veganer werden, ist nicht zu erwarten.“

 

Zunächst ein mal ist der Satz höchst zynisch. Selbst wenn es also richtig sei, vegan zu leben und Tiere nicht für Nahrung zu züchten und zu töten, dann empfiehlt man es dennoch nicht, denn schließlich ist es unrealistisch.

 

Das gleich wird und wurde zu fast allen wichtigen gesellschaftlichen, politischen und sozialen Themen von vielen Menschen immer wieder gesagt. „Ja, das ist vielleicht wichtig, aber es ist so unwahrscheinlich, dass das Menschen wirklich machen.“ Ja, vielleicht haben sie sogar Recht und es werden nicht alle Menschen Veganer. Na und? Deswegen wird es nicht weniger richtig und deswegen sollte man nicht weniger für Tierrecht kämpfen. Wenn es realistisch ist zu hoffen, dass eines Tages 10 % der Deutschen Veganer sind, was für eine große Errungenschaft wäre das für die Tierrechte. Um so etwas zu erreichen allerdings braucht man Menschen, die verstehen dass das ein wichtiges Tiel ist. Und wenn man versteht, dass Tiere nicht für uns Menschen gemacht sind, dann sollte man dafür auch einstehen. Und auch wenn man selbst nur die Vermutung hat, dass da etwas dran sein könnte, dass Tiere vielleicht auch Interessen haben, dass der Mensch gut ohne Tierprodukte auskommt und es für die meisten Menschen in dieser Gesellschaft keinen Grund gibt Tierprodukte zu essen der nicht aus Egoismus, falschem Stolz oder Ignoranz stammt. Wenn man nur diese Vermutung hat, dann hat man bereits die Verpflichtung dieser Intuition nachzugehen und sich kritisch mit dem eigenen Handeln auseinander zu setzen.

 

Besonders seltsam erscheint mir der Satz jedoch weil sie selbst ein Magazin herausgeben, dass sich für faire und ökologische Nahrung einsetzt. Denken Sie wirklich es ist realistischer anzunehmen alle Menschen würden nur noch Bioprodukte essen, als Veganer zu werden? Abgesehen davon, dass es für viele Menschen finanziell nicht möglich ist, Bioprodukte zu kaufen, schon gar kein Biofleisch, ist nicht klar wieso es sich hierbei mehr lohnen sollte sich für bessere Nahrung einzusetzen als für eine vegane Lebensweise. Wenn man sich für Bioprodukte und Fair Trade einsetzt, obwohl es unrealistisch ist anzunehmen, dass alle Menschen nur diese Produkte kaufen werde, wieso dann nicht für vegane Nahrung?

Ich verstehe natürlich, dass sie viele ihrer Werbekunden verlieren könnten, wenn sie sich gegen Tierprodukte aussprächen. Dafür wäre es konsequent und rational.

 

Mit freundlichem Gruß,

 

Lea Hanemann

 

 

 

 

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