Nicht dazu gehören – Diversität in der veganen Blogospähre

Ich habe mich heute mal wieder beim Durchsurfen der veganen Blogospähre gefragt: Wie viele Leuten geht es wie mir beim Lesen dieser Sites? Wie viele Leute haben das Gefühl irgendwie nicht ganz dazuzugehören zu den “coolen” und “richtigen” Bloggern?

Es gibt so viele Gründe sich nicht zugehörig zu fühlen, von Attila Hildmann Abscheu bis zu Keinen Bock haben auf all den Rohkostfanatismus und Gesundheitswahn. Und irgendwie geht es doch bei den meisten veganen Blogs sehr sehr wenig um Tiere. Klar, es gibt wunderbare Rezeptblogs und die kann ich sehr wertschätzen, aber irgendwie kommt man teilweise an einen Punkt an dem man sich fragt “Wofür mach ich das hier noch mal? Doch nicht nur wegen der allgegenwärtigen Gesundheits- Und Schlankheitsmanie?” Ich wollte doch kritisches Hinterfragen des Jetzt-Zustands und keine Darlegung dessen. Nur dann halt mit Tofustücken oder Amaranth und nicht mit Fleisch.

Ich werde bei so was sehr schnell zynisch. Ich werde zynisch wenn ich ein paar tolle kleine Blogs sehe und dann ein paar große viel gelesene die doch irgendwie dasselbe immer wieder sagen (und das soll man nicht falsch verstehen, es gibt natürlich auch sehr gute vielgelesene Blogs) – und dazu oft misinformiert und leicht propagandistisch werken. Ist das also einfach das was die meisten lesen wollen?

Ich werde dann so zynisch, dass ich eigentlich keine Lust mehr aufs Bloggen habe. Und dann denke ich mir, wie vielen anderen Leuten geht das so? Kann man das nicht verändern durch mehr Diversität? Natürlich ist auch irritierend, dass der Großteil der veganen Blogospähre weiß, mittelschichtig und “oberflächlich gesellschaftskritisch” ist. Was will ich denn genau? Schwule schwarze 50+ Immigranten die über Tierrechte bloggen? Ich bin doch selbst weiß und Studentin und mein Blog hat doch auch die standart Themeninhalte, auch weil ich es seltsam finde meinen Blog “Vegan In Berlin” zu nennen und dann die ganze Zeit über Feminismus, Philosophie, Fußball und Menschenrechte zu bloggen.

Ich wünsche mir nur oft eben mehr verschiedene Meinungen und Persönlichkeiten. Anstelle dessen fühlt sich oft alles an wie eine recht homogene Masse und das ist irgendwie ziemlich eklig, besonders wenn man 10 Mal ähnliche Beiträge zu gleichen Produkten in einer Woche liest. Aber vielleicht geht es ja einfach vielen so wie mir. Wenn man sieht wie der Standart des veganen Bloggens ist, dann denkt man halt, dass das so geht und passt sich daran an.

Vielleicht liest das ja ein Mensch, der sich schon die ganze Zeit als Veganer (oder nicht-Veganer…) nicht repräsentiert gefühlt hat, und fühlt sich angespornt dann eben selbst zu bloggen. Wenn man etwas vermisst im Blogleben, dann muss man diese Lücke eben selbst füllen.

Einer der Gründe wieso ich bis jetzt immer noch nicht über Rohkost geschrieben habe, ist, weil ich es selbst so irritierend finde immer nur zu Nörgeln und zu Kritisieren. “I don’t want to piss on your parade”. Aber kritisches Denken braucht man halt im Leben. Und ich würde so gerne mehr vegane Blogs sehen die keine Angst haben anzuecken. Und da muss ich mir eben auch selbst in den Hintern treten und klar machen, dass ich dann aber auch selbst keine Angst vor negativen Reaktionen haben darf.

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11 Comments

  1. Ich verstehe genau, was du meinst! Obwohl ich ja ganz gut in deine Beschreibung bzw in die homogene Blogmasse passe, denke ich 😉
    An sich beschäftige ich mich z.B. auch sehr viel mit Tierrechten, Tierschutz usw. aber ich habe halt eine Leidenschaft für’s Kochen und Backen und möchte Lesern den Einstieg in die vegane Ernährung erleichtern, indem ich auch Produkte vorstelle usw.
    Dass das viele machen, ist mir klar, aber ich hab mir von Anfang an gesagt, ich erstelle eine Seite mit möglichst vielseitigen veganen Rezepten und Ideen 🙂
    Persönlich lese ich dann auch gern auf anderen Seiten oder Blogs, wie zum Beispiel deinem, kritische Beiträge!
    Vor allem, weil es wenig Leute gibt, die die Dinge so beleuchten wie du es tust.
    Und eh ich z.B. mit Halbwissen glänze 😀 da ich erst knapp ein Jahr vegan lebe und intensiv “drin stecke”, überlasse ich es (vorerst, wer weiß was noch kommt!) Menschen wie dir 😉

    ganz liebe Grüße & hab einen schönen Mittwoch!

    1. Danke für den Kommentar. Ich denke ja auch, dass Essens & Rezepteblogs ihre Berechtigung haben. Ich hab früher nur Rezepte gepostet bis ich gemerkt habe, dass ich auch andere Sachen schreiben wollte. Ich lese sehr gerne gute Rezepte (und du hast beispielsweise auch schöne Fotos dazu, die sehe ich natürlich auch gerne), mir geht es mehr um diesen Trenddenken innerhalb dieser Szene. Das viele auch irgendwie ähnlich kochen und backen, in Phasen. Ich wünsche mir eigentlich auch weniger, dass Leute aufhören irgendwas bestimmtes zu posten, sondern dass ich mir denke, dass es viel mehr unterschiedliches und aus verschiedenen Perspektiven geben müsste. Teilweise gibt es so blogs ja, aber dann eigentlich seltenst auf Deutsch.

  2. Toller und vorallem Interessanter Post!
    Ich bin auch auf jeden Fall für mehr Diversität…und “dazugehören” ist mir beim Bloggen irgendwie ziemlich egal, es ist ja mein Blog, mein Ding, ich schreibe was ich mir denke und die Leute denen es gefällt dürfen das dan lesen. Und ich hab auch lieber ganz wenige Leser(innen) die wirklich interessiert, was ich schreibe, anstatt vielen Leuten die einfach mal so folgen, ohne sich richitg dafür zu interessieren…naja.
    Und ich hab Züge auch schon immer geliebt 😀
    Lg

    1. Hi Marley, dein Blog ist ja auch ein schöner Mischmasch. Ich schau da gerade eher wegen der schönen Fotografie vorbei. Auch wenn ich da immer gleich ein schlechtes Gewissen bekomme weil meine analogen Kameras nie benutzt werden, oder die Filme nicht entwickelt.

  3. tja, wo sind sie denn alle die schwulen 50+ Leute mit Migrationshintergrund? Her damit, die sollen alle deinen Blog lesen?! gefällt mir was du da schreibst, aber auch dein Fazit, keine Angst davor zu haben, mal anzuecken.

  4. Ist halt schwierig weil “die Veganer” an sich in Deutschland einfach hauptsächlich aus weiblichen Studentinnen zwischen 20 und 30 bestehen, bei amerikanischen Blogs sinds meistens junge Mütter (so meine Erfahrung…) aber generell geb ich dir recht. Ich mag das auch nicht mehr lesen, die 37. Produktvorstellung der neuen Pflanzenmilch oder den 35. Beitrag über irgendein veganes Phänomen, weswegen man Blogposts über Fragen erstellen muss, die sich auch mit einer einfachen Google-Suche beantworten ließen ist auch so ein Phänomen, das sich mir nicht erschließt. Ich schreibe deswegen relativ bewusst nichts über sowas, bin aber auch oft frustriert, weil ich einfach weiß, dass Blogs, die sich mit Konsumzeugs befassen mehr gelesen werden und ich mich schon manchal frage, ob sich die Arbeit für einen Post wirklich lohnt (ich hab ein paar angedacht und geplant, die aber viel Rechercheaufwand verlagen, aber wenn die keiner liest hab ich auch keine Lust da tagelang dranzusitzen).
    Über Tierrechte schreibe ich sehr wenig. Hauptsächlich weil es dazu viel bessere Informationsportale gibt, soylent network zB. Ich schreibe einfach nicht gerne über Sachen, be denen ich maximal über Halbwissen verfüge. Das letzte Mal, dass ich Tierfabriken von innen gesehen habe ist zB 10 Jahre her, da hat sich in der Zwischenzeit bestimmt viel geändert und mich nervt nichts mehr, als wenn jemand Falsch- und Fehlinfos verbreitet, da sollte ich mich nicht auch noch dranhängen.

    Mir fehlt hier aber definitiv die skeptische Veganerszene. Im Endeffekt ist mir die Bloglandschaft ein bisschen zu arg mit der Esoszene vernetzt, allerdings hab ich auch immer die Befürchtung jemanden vor den Kopf zu stoßen, sowas liegt mir nicht wirklich, vor allem nicht in meiner Freizeit….

    Aber ich nehme deine Kritik schon auch gerne an, ich finde nämlich selbst auch, dass mein Blog ein bisschen zu wenig ich ist, viele Sachen schreibe ich nicht, weil ich finde, dass sie nicht zum Thema passen und obwohl ich privat viele Interessen habe, die nichts mit Veganismus zu tun haben, bleiben die bei meinem Blog außen vor.

    1. Ich finde deinen Blog einen der positiven Ausnahmen, die es ja, wie ich gesagt habe, auch gibt. Auch wenn es jetzt wenig die Diversität der Umstände der Person betrifft, als einfach den Blog an sich.

      ” ich finde nämlich selbst auch, dass mein Blog ein bisschen zu wenig ich ist, viele Sachen schreibe ich nicht, weil ich finde, dass sie nicht zum Thema passen und obwohl ich privat viele Interessen habe, die nichts mit Veganismus zu tun haben, bleiben die bei meinem Blog außen vor.”

      Ich denke das ist ein schwerer Balanceakt. Man kann ja nicht zu jedem Thema das einen interessiert einen neuen Blog aufmachen. Und irgendwie ist das auch komisch, wenn man es theoretisch auch auf einem machen könnte. Bei mir denke ich teilweise wenn der Blog “Vegan In Berlin” heißt, ist es dann nicht blöd wenn ich dauernd generell Gesellschaftskritik übe(n würde)? Ich bin mir da wirklich nicht ganz sicher wie man das am besten macht.

      “Ich schreibe deswegen relativ bewusst nichts über sowas, bin aber auch oft frustriert, weil ich einfach weiß, dass Blogs, die sich mit Konsumzeugs befassen mehr gelesen werden und ich mich schon manchal frage, ob sich die Arbeit für einen Post wirklich lohnt (ich hab ein paar angedacht und geplant, die aber viel Rechercheaufwand verlagen, aber wenn die keiner liest hab ich auch keine Lust da tagelang dranzusitzen).”

      Wenn ich über etwas schreiben wollen würde, von dem ich weiß, dass es viele googeln würde ich nur über fettarme Ernährung und wie man vegan abnimmt schreiben. Das möchte ich aber nicht. Gerade weil ich auch kein Teil der ganzen Diätindustrie sein will und es sehr schwierig finde meinen eigenen Kriterien zu genügen was das Thema anbetrifft. Und halt aus persönlichen Gründen.
      Das mit dem Rechercheaufwand verstehe ich auch sehr gut. Ich wurde schon ein paar Mal noch auf den Rohkostpost angesprochen den ich schreiben wollte, aber um dem gerecht zu werden und nicht nur ein “ich find das nicht nur toll” zu schreiben ist es schwer. Auch weil ich persönlich negative Erfahrungen damit gemacht habe aber das als Begründung natürlich auch nicht ausreicht.

      Über Tierrechte schreibe ich sehr wenig. Hauptsächlich weil es dazu viel bessere Informationsportale gibt, soylent network zB. Ich schreibe einfach nicht gerne über Sachen, be denen ich maximal über Halbwissen verfüge.

      Du hast recht, an den Kompetenzpunkt habe ich gar nicht gedacht.

      Ich dachte bei Tierrechten fast mehr an die theoretischen Aspekte davon. Das ist einerseits natürlich verständlich, weil man unter Veganern ja schon einigermaßen auf einer Linie ist, aber mich interessieren trotzdem die verschiedenen Beweggründe, usw. Mehr in Richtung “Human-Animal Studies”. Ich persönlich fühle mich beispielsweise gar nicht in der Lage über den faktischen Zustand von “Nutz”tieren zu schreiben.

      “Mir fehlt hier aber definitiv die skeptische Veganerszene. Im Endeffekt ist mir die Bloglandschaft ein bisschen zu arg mit der Esoszene vernetzt, allerdings hab ich auch immer die Befürchtung jemanden vor den Kopf zu stoßen, sowas liegt mir nicht wirklich, vor allem nicht in meiner Freizeit….”

      Das Dilemma kenne ich. Ich habe jetzt einige Blogs aus meinem RSS Feed gelöscht, nicht weil ich sie nicht mag, sondern weil es mir zu schwer fällt nichts zu sagen, wenn etwas geschrieben wird, von dem ich mir recht sicher bin, dass es so nicht stimmen kann, ich aber auch nicht dauernd nervige Kommentare unter Blogposts schreiben will. Dann komm ich mir fast wie der böse Troll vor.

  5. Guter Post! Ich verstehe, was du meinst und hatte schon ähnliche Gedanken.
    Ich finde aber, dass du durchaus auch über Gesellschaftskritik, Feminismus und mehr schreiben “darfst” auch wenn dein Blof “vegan in Berlin” heißt. Du schreibst ja auch über Städtetrips z.B. nach Amsterdam, was ja auch nichts mit dem Leben in Berlin zu tun hat. Du als Person hinter “Vegan in Berlin” “darfst” über alles schreiben, was dich als Person beschäftigt.
    Der Vergleich hinkt vielleicht ein bisschen, aber eine Lokalzeitung hat ja auch überregionale/internationale Teile (Politik, Weltgeschehen, Feuilleton etc)
    Die Mischung macht’s.

    1. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Ich denke ich wollte wenigstens zu erst etwas “veganen content” bevor ich auch über ein paar andere Sachen schreibe. Aber nächstes Mal wenn ich wieder einen Impuls habe über etwas zu schreiben was nicht direkt mit Tieren oder Veganismus zu tun hat, schreibe ich es einfach. Gerade versuche ich aber für ein paar Wochen mich etwas weniger mit den schlimmen Dingen der Welt zu beschäftigen. Ich habe gerade viel Insomnie und da sollte ich mich nicht immer mit Sachen beschäftigen die mich aufregen und die ich schrecklich finde…

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